Meine Route

Mein Weg führte mich von Konstanz bis Lausanne. Die genaue Route findest du unter folgendem Link: 

Tag 1 

Die Etappe von Konstanz bis Märstetten ist dem Sponsor Konditorei Kern gewidmet. 

Am Samstag stieg ich am Morgen um 8.30 Uhr in Basel in den Zug. Mein erstes Highlight erlebte ich schon vor der Abfahrt: Eine künftige Braut erfuhr von ihren Freundinnen, dass sie das Wochenende gemeinsam in Paris verbringen würden. Sie freute sich sehr darüber und hatte Tränen in den Augen. Grinsend suchte ich mein Abteil auf. Die Zugfahrt verlief ohne Probleme, und mittags erreichte ich den Bahnhof in Konstanz. Dort schulterte ich meinen Rucksack und begann zu pilgern. Zuerst spazierte ich durch die Altstadt, dann führte mich der Weg bald über Stock und Stein zur Heiligkreuz-Kirche in Bernrain, wo ich meinen Pilgerpass zum ersten Mal abstempelte. 
Anschliessend ging es vor allem durch Wald und Wiesen: Bei wunderbarem Wetter genoss ich die Landschaft. Die erste Etappe hatte ich bewusst als Einsteigerstrecke gewählt und etwas kürzer geplant. Am späten Nachmittag erreichte ich mein Tagesziel Märstetten und bezog ein gemütliches Bed and Breakfast auf einem Bauernhof. Abends schrieb ich in mein Tagebuch, arbeitete an meiner Webseite und ging zum Essen ins Dorf. Mit müden Beinen, aber einem guten Gefühl legte ich mich an meinem ersten Pilgertag früh schlafen. 


12.4.2025 

Tag 2

Die Etappe von Märstetten bis Münchwilen ist dem Sponsor TEDICAD gewidmet. 

Aufgeweckt vom Hahn auf dem Bauernhof, auf welchem ich übernachtet hatte, startete ich sehr früh in den Tag. Beim Bäcker im Dorf holte ich mir ein leckeres Frühstück und machte mich auf den Weg. Mein Tagesziel war Münchwilen, etwa 22 Kilometer entfernt. Durch grüne Wiesen führte mich der Weg zur Komturei in Tobel, wo ich eine Pause einlegte. In der Kirche hatte ich nicht nur Schutz vor dem Regen, sondern ich fand auch ein sogenanntes Wunschbuch. Dort dürfen alle Besucherinnen und Besucher persönliche Anliegen niederschreiben. Die Einträge berührten mich. Es waren Bitten von Kindern und nachdenkliche Worte von Erwachsenen über den Zustand unserer Gesellschaft. 

Vom Mittagessen gestärkt und nachdenklich lief ich weiter und kam am Nachmittag in Münchwilen an. Leider hatte sich mein linker Knöchel leicht angeschwollen, weshalb ich den Abend grösstenteils in meiner Unterkunft verbrachte und den Fuss kühlte. Nur kurz ging ich nach draussen, um mir in einer Pizzeria ein Abendessen zu gönnen. Von aussen hätte man dem Restaurant seinen gehobenen Stil nicht angemerkt. So sass ich in einem eleganten Saal, allein und in meinem Wanderoutfit umgeben von neugierigen Blicken. Das war etwas unangenehm für mich. Die Lasagne war trotzdem hervorragend! 
 

13.4.2025 

Tag 3 

Die Etappe von Münchwilen bis Steg ist dem Sponsor Life Physiotherapie gewidmet. 

Heute startete ich voll motiviert in den Morgen. In Münchwilen holte ich mir ein Frühstück in der Bäckerei und machte mich auf den Weg nach Sirnach. Dort begegnete ich einer Frau, die an mir vorbeiging, während ich eine Pause machte. Während eines kurzen Gesprächs erkannten wir, dass wir dasselbe Tagesziel hatten und beschlossen, gemeinsam weiterzulaufen in Richtung Kloster Fischingen. 

Es tat richtig gut, sich mit jemandem auszutauschen, auch wenn ich das Alleinwandern sehr schätzte. Schon bald merkten wir, dass wir ähnliche Ansichten hatten, was zu einem spannenden Gespräch führte. Das Benediktinerkloster in Fischingen überraschte und beeindruckte uns beide sehr. Es hatte mehr, als wir erwartet hätten, nämlich eine eigene Bibliothek, Gedenkräume und sogar eine Hofbrauerei. Bei einem kühlen Getränk tankten wir neue Kraft. 

Mit guter Laune nahmen wir danach den Aufstieg zum Hörnli in Angriff. Trotz schlechter Wetterprognose unserer Apps erreichten wir das Plateau ohne Regen. Der Abstieg ins Tal war jedoch eine Herausforderung für meinen angeschlagenen Knöchel. Ich hatte langsam das Gefühl, dass meine Laufschuhe, obwohl ich beim Kauf völlig überzeugt gewesen war, unpassend waren. Ich motivierte mich wenigstens damit, dass ich immerhin noch keine Blasen hatte. Auf jeden Fall gehört ein bisschen Leiden und das Verlassen der Komfortzone zum Pilgern einfach dazu. 

Mit meiner Begleitung machte das Laufen Spass und unsere Gespräche waren so kurzweilig und spannend, dass wir schnell am Ziel waren. Am Abend verabschiedeten wir uns herzlich, und ich checkte in meiner reservierten Pilgerunterkunft ein. Dort bekam man als Pilgerin oder Pilger ein sehr gutes und auch günstiges Abendessen serviert. Es war ein schöner Abschluss für einen guten Tag. 

14.4.2025 

 Tag 4

Die Etappe von Steg bis Rapperswil Jona ist dem Sponsor Kirchgemeinde Röschenz gewidmet. 

Heute freute ich mich auf einen abwechslungsreichen Tag. Am Morgen wollte ich gemeinsam mit einer anderen Pilgerin, die in derselben Unterkunft geschlafen hatte wie ich, loslaufen. Doch es kam anders als gedacht. Fünf Minuten vor dem Abmarsch erhielt sie einen Anruf. Sie erfuhr, dass ihre Schwiegermutter verstorben war. Sehr geschockt entschied sie sich, den Jakobsweg auf später zu verschieben. 

So machte ich mich allein auf den Weg. Mein Knöchel bereitete mir weiterhin Probleme und von innerer Ruhe war kaum etwas zu spüren. Deshalb rief ich nach einigen Kilometern im Spital Rapperswil-Jona an, um einen Termin zu vereinbaren. 

Ich kam am frühen Nachmittag an und wollte vor dem Arzttermin in der Jugendherberge einchecken, doch diese öffnete erst um 17 Uhr. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Zum Glück spielte das Wetter mit, und ich setzte mich auf eine Bank am See. Rückblickend waren mir solche Sitzbänke oft sehr gelegen gekommen. Etwas, das ich sonst im Alltag kaum nutze. 

Um 16.30 Uhr hatte ich dann meinen Termin im Spital. Die Diagnose: Sehnenentzündung. Wenigstens konnte ich mit Medikamenten weitermachen. Anschliessend besuchte ich wieder einmal eine Pizzeria und liess den Abend gemütlich am See ausklingen. Ich war stolz, dass ich die geplante Etappe durchgezogen und mein Ziel in Rapperswil-Jona erreicht hatte. 

Zum Abschluss des Tages lief ich noch etwa drei Kilometer zurück zur Jugendherberge, die etwas ausserhalb lag. Beim Einchecken war ich überrascht, dass ich einem Zimmer mit zwei netten Damen zugeteilt wurde. Als ich später sicherheitshalber an der Rezeption nachfragte, erklärte man mir, man habe meinen Vornamen als weiblich eingestuft. Nach einem kleinen Schmunzeln konnte ich problemlos das Zimmer wechseln und mich schliesslich schlafen legen. 

15.4.2025

Tag 5

Der Erholungstag in Rapperswil ist dem Sponsor Freunden gewidmet.

Heute gönnte ich mir meinen ersten Erholungstag in Rapperswil. Ich schlief aus und verbrachte den Vormittag mit dem Schreiben an meiner Maturaarbeit. Am Nachmittag fuhr ich nach Zürich, wo ich mich mit zwei Kollegen traf. Gemeinsam besuchten wir am Abend ein Konzert. Ein Geschenk der beiden, das sie mir vor rund einem halben Jahr gemacht hatten. Es liess sich perfekt in meine Reise integrieren. Das Konzert war grossartig und ein echtes Highlight. Auf dem Rückweg spürte ich jedoch bereits, dass es wohl etwas dauern würde, bis ich wieder im Pilgerflow war. 

16.4.2025

Tag 6

Die Etappe von Rapperswil bis Einsiedeln ist dem Sponsor Atelier dies & das gewidmet.

Nach einem guten Frühstück um 8.30 Uhr in der Jugendherberge startete ich in den Tag, allerdings mit wenig Motivation, denn das Wetter war miserabel. Für den ganzen Tag war Regen angesagt. Trotzdem machte ich mich auf den Weg und kam zunächst gut voran. Der Weg über die lange Brücke, die Rapperswil-Jona mit Pfäffikon verbindet, war noch spannend und war trotz grauem Himmel etwas Besonderes. 
Danach folgte ein zweistündiger Aufstieg. In der Wegbeschreibung war zwar von einer steilen Strecke die Rede, aber mit dieser Steilheit hatte ich nicht gerechnet. Ich schwitzte sehr und der Regen sorgte für eine weitere Dusche. Glücklicherweise blieb im Rucksack alles trocken, aber meine Kleidung war klitschnass. Umso grösser war die Erleichterung, als das Kloster Einsiedeln endlich in Sicht kam. 
Ich checkte in einem Bed and Breakfast ein und freute mich über eine heisse Dusche. Die hatte ich mir verdient. Ein weiteres Highlight: Ich durfte die Waschmaschine benutzen. Das war genial, nachdem ich meine Kleidung sonst immer von Hand gewaschen hatte. Die Unterkunft war super und die Gastgeberin unglaublich freundlich. 
Zum Abendessen holte ich mir etwas vom Asiaten um die Ecke und wie so oft legte ich mich früh schlafen, zufrieden über das Erreichte. 

17.4.2025

Tag 7

Der Tag des Klosterbesuches in Einsiedeln ist dem Sponsor Salmenpraxis gewidmet. 

Heute stand am Vormittag die Besichtigung des Klosters Einsiedeln auf dem Programm, am Nachmittag dann die Teilnahme an der Karfreitagsmesse. Ausgeruht machte ich mich am späten Morgen auf den Weg und betrat das Kloster. Ich muss zugeben, ich war beeindruckt. Normalerweise sind mir solche Kirchen zu prunkvoll, aber die Klosterkirche war toll. Die Kirche ist grösstenteils in Weiss gehalten, wodurch besonders die verzierte Decke zur Geltung kommt. Etwas Besonderes war für mich die Schwarze Madonna. Die dunkle Statue bildet einen Kontrast zum restlichen Kirchenraum und faszinierte mich. 

Der Klosterladen erinnerte mich von der Grösse her an denjenigen in Mariastein, überzeugte mich aber weniger. Vor allem für Pilgerinnen und Pilger hatte er kaum Angebote. Das war enttäuschend. 

Am Mittag legte ich mich für zwei Stunden hin, denn die vergangenen Tage hatten doch ihre Spuren hinterlassen, wie ich feststellen musste. 

Dann war es endlich so weit. Auf die Karfreitagsmesse hatte ich mich schon lange gefreut. Um 15.45 Uhr machte ich mich auf den Weg. Als ich fünf Minuten später die Kirche betrat, waren nur noch Plätze in den hintersten Reihen frei. Alles war voll. 

Die Messe begann. Der feierliche Einzug dauerte mehrere Minuten. Ein Mann kündigte jeweils an, was als Nächstes geschah und wie sich die Besucher verhalten sollten. Für mich war das ungewohnt und gewöhnungsbedürftig. Der Chor sang toll und schuf eine fast mystische Atmosphäre, doch inhaltlich enttäuschte mich der Gottesdienst ein wenig. Die Bibelstellen und Fürbitten wurden langweilig und teilweise auf Latein vorgetragen. Dazu kam, dass es mit der Zeit in der Kirche recht kühl wurde, was die Stimmung für mich zusätzlich dämpfte. 

Nach gut zwei Stunden war die Feier vorbei, und ich war froh, dass es vorbei war. In einer Pizzeria suchte ich Zuflucht, wärmte ich mich auf und genoss mein fleischloses Abendessen ganz im Sinne des Karfreitags. Anschliessend kehrte ich in meine Unterkunft zurück und fiel müde ins Bett. 

18.4.2025 

Tag 8

Die Etappe von Einsiedeln bis Schwyz ist dem Sponsor Fahrstyle gewidmet. 

Mit dem heutigen Tag war bereits ein Drittel meiner Reise vorbei. Zum ersten Mal verschlief ich meinen Wecker und ging deshalb verspätet los. Doch das war halb so wild, denn das Wetter war traumhaft, und ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen. Die Etappe begann flach, doch schon bald erwartete mich ein unerwartet heftiger Anstieg. 

Zunächst führte der Weg durch das Tal in Richtung des Kleinen und Grossen Mythen. Dann begann der Aufstieg. Es war ein steiniger Pfad, der steil den Hang hinaufführte. Ich dachte, das könne nicht allzu lange dauern, doch da hatte ich mich gewaltig verschätzt. Der Schweiss lief mir nur so herunter, vor allem durch das zusätzliche Gewicht meines Rucksacks. Mir war längst bewusst, dass dieser zu schwer für eine solche Reise war. Man sagt, man solle etwa zehn Prozent des eigenen Körpergewichts tragen. Bei mir wären das fünfeinhalb Kilo. Mein Rucksack wog jedoch bereits ohne Verpflegung um die 13 Kilo. Ich war also selbst schuld. Aber für mich war klar, dass ich mit Kamera und iPad reisen wollte, um gute Fotos zu machen und abends an meiner Maturaarbeit schreiben zu können. 

Oben auf der Haggenegg angekommen, gönnte ich mir in einer Bergbeiz etwas zu trinken. Spontan setzte sich ein Wanderer zu mir, der sich als ehemaliger Pfarrer herausstellte. Schnell kamen wir ins Gespräch. Er interessierte sich sehr für mein Projekt und erzählte auch von seinen eigenen Erfahrungen. Als wir über die Karfreitagsmesse in Einsiedeln sprachen, hatte ich den Eindruck, dass er sie noch langweiliger gefunden hatte als ich. Dies war eine weitere schöne Begegnung, die mir beim Abstieg nach Schwyz noch lange durch den Kopf ging. 

In Schwyz kam ich bereits um 14.30 Uhr an und stiess auf ein kleines Problem: Die Rezeption der reservierten Herberge öffnete erst um 16 Uhr. Da kam mir eine Idee und ich zog nochmals meinen Rucksack an und lief los. Ich besuchte das Nationalmuseum und anschliessend das Bundesbriefmuseum. Beide Ausstellungen fand ich spannend, und der kleine Rundgang durch Schwyz lohnte sich in meinen Augen sehr. Auf dem Rückweg nahm ich mir ein Abendessen per Take-Away mit. 

Als ich schliesslich einchecken konnte, bezog ich ein Mehrbettzimmer. Es war sehr unangenehm, weil mir ein übler Geruch entgegenschlug, so als hätte dort jahrelang jemand mit geschlossenen Fenstern geraucht. Der Raum war zudem recht eng. Doch ich war so müde, und meine Mitbewohner im Zimmer waren sehr freundlich, dass ich trotz allem problemlos einschlief. 

19.4.2025

Tag 9

Die Etappe von Schwyz bis Beckenried ist dem Sponsor Hofer Treuhand und Immobilien gewidmet. 

Leider verlief die Nacht alles andere als erholsam. Im Zimmer wurde es sehr warm, und ab dem frühen Morgen waren die vorbeifahrenden Autos deutlich zu hören und so war ich bereits um sechs Uhr wach. Um die anderen nicht zu stören, arbeitete ich leise an meiner Maturaarbeit und machte mich dann gegen sieben Uhr auf den Weg zur Schiffsanlegestelle in Ingenbohl. 

Dort nahm ich das Schiff und fuhr über den Vierwaldstättersee zur Haltestelle Treib. Direkt nach dem Ausstieg ging es steil bergauf, und schon bald spürte ich, dass sich an meinem rechten Fuss eine Blase bildete. Ich klebte ein Blasenpflaster auf die Stelle, merkte jedoch sofort, dass sich dadurch die Lage nur verschlimmerte. Also entfernte ich das Pflaster wieder und bereitete mich darauf vor, in den nächsten Tagen wohl eine schöne, grosse Blase zu haben. 

Die heutige Etappe war mit 16 Kilometern zwar nicht besonders lang, jedoch durch das ständige auf und ab äusserst anstrengend. Links von mir waren steile Felswände, rechts fiel das Gelände oft steil ab. Als ich schliesslich den höchsten Punkt der Etappe erreichte, setzte Regen ein. Ich nahm das als Zeichen, um etwas essen zu gehen. 

In Emmetten fand ich ein Café mit dem Namen „Dorfklatsch“, dass ich an dieser Stelle sehr empfehlen kann. Das Essen war super und tat richtig gut. Leider hörte der Regen auch danach nicht auf, also zog ich in meine gesamte Regenausrüstung an und machte mich auf den Weg nach Beckenried. 

Dort war ich überrascht, dass der Volg offen hatte, obwohl Ostersonntag war. Ich kaufte mir fürs Abendessen ein paar Früchte und Nüsse. 

Am Abend erreichte ich meine Unterkunft auf einem Bauernhof, wo ich sehr herzlich empfangen wurde. Wie immer schrieb ich noch meinen Tagebucheintrag und wusch meine Kleider bevor es Zeit wurde, die Lichter zu löschen. 

20.4.2025 

Tag 10

Die Etappe von Flüeli-Beckenried bis Stans ist dem Sponsor Procoba AG gewidmet.

Durch die Sonne geweckt, startete ich in meinen zehnten Tag. Auf dem Bauernhof in Beckenried genoss ich ein tolles Frühstück und liess es ruhig angehen. Heute stand eine eher kurze Etappe bevor, und ich wollte mir bewusst Zeit lassen, natürlich auch mit dem Gedanken, meine Füsse zu schonen. Ich hatte mir das Ziel gesetzt, meine Pilgerreise ohne Stress anzugehen, so wie es eigentlich auch im Alltag sein sollte. Bis jetzt gelang mir das sehr gut. 

Erst nach neun Uhr lief ich los in Richtung Stans. Die Route war herrlich, angenehm zu laufen und mit wunderbaren Ausblicken zum See und den Bergen. In Buochs kehrte ich in die Kirche ein und war begeistert von der Inneneinrichtung, die für mich bislang die schönste der gesamten Reise war. Ich stempelte meinen Pilgerpass ab und setzte meinen Weg über grüne Wiesen fort. 

In Stans angekommen, traf ich zwei bekannte Personen und ging mit ihnen essen. Danach organisierte ich mir etwas zum Abendessen, da meine Unterkunft ausserhalb lag und ich den Abend wahrscheinlich dort verbringen würde. Am Ostermontag war das allerdings leichter gesagt als getan. Glücklicherweise fand ich am Bahnhof eine geöffnete Bäckerei und nahm mir einen frischen Salat mit. 

Heute war der Tag, an dem mir das Pilgern bisher am meisten Freude bereitete. Das Wetter war perfekt gewesen und die Strecke wunderschön Also alles genau so, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich hoffte auf mehr solcher Tage. 

21.4.2025 

Tag 11

Die Etappe von Stans bis Flüeli-Ranft ist dem Sponsor Bäckerei Niederberger gewidmet. 

Ausgeschlafen genoss ich am Morgen wie gewohnt mein Frühstück und machte mich etwas später als sonst auf den Weg. Genau das ist es, was das Pilgern so besonders macht. Die Freiheit von alltäglichen Verpflichtungen. Man entscheidet selbst, wann man isst, losläuft, eine Pause einlegt oder ins Bett geht. Man hört auf sich selbst und folgt den eigenen Bedürfnissen, ohne Druck von aussen. 

Die heutige Etappe war zwar kurz, aber dafür körperlich recht anstrengend. Bis zum Mittag ging es über Hügel auf und ab, und ich war dankbar für jede Bank am Wegesrand, auf der ich kurz rasten konnte. Der Vierwaldstättersee, den ich in den letzten drei Tagen immer wieder gesehen hatte, verschwand langsam aus meinem Blick. Dafür tauchte auf meinem Weg eine Kapelle nach der anderen auf. So viele wie bisher noch an keinem Tag. 

In der Gemeinde St. Jakob fand ich eine besonders beeindruckende Kirche. Sie war nicht nur schön eingerichtet, sondern spiegelte auch die Werte des Dorfes wider. Zum Beispiel gab es eine Wand mit Gedenksteinen für kürzlich Verstorbene und eine Box mit kleinen Gaben. Darunter auch ein Osterei für Pilger, was ich sehr sympathisch empfand. Ganz unsympathisch fand ich danach den steilen Anstieg, der kurz darauffolgte. 

Zum Glück war es der letzte für heute, denn bald erreichte ich Flüeli-Ranft. Dort gönnte ich mir im Hotel Paxmontana ein Eis auf der Terrasse. Was für eine schöne Aussicht. Gerne hätte ich dort übernachtet, aber als Pilger lag das leider ausserhalb meines Budgets. So machte ich mich auf den Weg zu meiner einfacheren Unterkunft. 

22.4.2025

Tag 12

Die Etappe von Flüeli-Ranft bis Lungern ist meinen ELtern gewidmet. 

Nach einer ruhigen Nacht machte ich mich früh am Morgen auf den Weg. Wie so oft führte der Pfad erst einmal wieder steil bergab und die ganzen Höhenmeter, die ich mir am Vortag erkämpft hatte, waren futsch. Manchmal kann das frustrierend sein. Und doch muss ich sagen, ich war selten in meinem Leben über eine so lange Zeit so konstant gut gelaunt. Kein Alltagsstress, keine To-do-Listen, bei denen oft etwas schiefgeht. Diese Art von Entschleunigung würde, glaube ich, jeder Person guttun. 

Da ich bewusst früh losgelaufen war, ging meine zeitliche Rechnung auf, was mir ein gutes Gefühl gab. Gegen Mittag stieg ich von Giswil hinauf zum Lungernsee. Der Aufstieg war anstrengend, aber die Aussicht auf den See war phänomenal. Bis zur Planung meines Projekts wusste ich nicht einmal, dass es diesen See überhaupt gab. Ich umrundete ihn und erreichte schliesslich Lungern. Das war mein Tagesziel. Keine zehn Minuten später begann es zu regnen. Perfektes Timing. 

Mittlerweile hat sich eine gewisse Routine in meinen Tagesablauf eingeschlichen und das auch beim Ankommen: Schlüssel entgegennehmen, Rucksack ablegen, duschen, Kleider waschen, ein paar Postkarten schreiben, an der Maturaarbeit weiterarbeiten, Abendessen, und schliesslich das Tagebuch füllen. Ich glaube, ich war an dem Punkt angekommen, an dem ich wirklich spürte, was es bedeutet, ein Pilger zu sein. 

23.4.2025 

Tag 13

Die Etappe von Lungern bis Brienz ist meiner Familie und Verwandschaft gewidmet. 

Kurz nach Sonnenaufgang machte ich mich auf den heutigen Weg. Für den Nachmittag war laut Zeitung erneut Regen angesagt und darauf hatte ich keine Lust. Also startete ich bereits um sieben Uhr, um die sonnigen Stunden zu nutzen. Das ist etwas, das ich im Alltag praktisch nie mache. Wenn es regnet, nehme ich das Auto oder einen Schirm. Wenn man aber zu Fuss unterwegs ist und keine Möglichkeit hat, sich unterzustellen, ist das etwas anderes. Deshalb versuchte ich, dem Regen aus dem Weg zu gehen, auch wenn ich dafür früher aufstehen musste. 

Mit meinen Wanderstöcken, welche Gold wert waren, krampfte ich mich den Brünigpass hinauf. Während des Aufstiegs fiel mir zum ersten Mal auf, wie störend laute Militärflugzeuge sein können, wenn sie immer wieder über einen hinweg donnern. Die Konzentration fällt einem schwer, und die Lärmbelastung ist enorm. Kein Wunder also, dass ich entlang der Strecke viele Plakate gegen den Kampfjet F-35 sah, der künftig vom Flugplatz Meiringen aus starten soll. Ich verstand die Bewohnerinnen und Bewohner gut. 

Nach dem Pass ging es steil hinunter ins Tal. Das war eine heikle Angelegenheit, die meine Konzentration forderte. Der Weg war rutschig und anstrengend, aber ich kam ohne Zwischenfälle in Brienz an. 

Am Nachmittag erledigte ich meine übliche Routine: waschen, duschen und meine Maturaarbeit mit neuen Eindrücken und Gedanken ergänzen. Zum Abendessen gönnte ich mir eine Pizza im Dorf. Die war super! Beim Zurücklaufen hatte ich gerade noch das Glück, dem Regen zu entkommen und trocken meine Unterkunft zu erreichen. Den Abend verbrachte ich in der Herberge und redete mit den anderen Besucherinnen und Besuchern. 

24.4.2025

Tag 14

Die Etappe von Brienz bis Interlaken ist meiner Betreuenden Lehrperson gewidmet. 

Heute war ein echter Krampftag. Früh am Morgen wachte ich auf und ging direkt zum Frühstück in der Hoffnung, bald loslaufen zu können. Doch als ich aus dem Fenster zum See blickte, regnete es in Strömen. Also entschied ich mich, den Regen in der Jugendherberge auszusitzen und später zu starten. Die Etappe war zwar als „schwierig“ eingestuft, sollte aber nur etwa fünf Stunden dauern. Das schien mir machbar. 

Um zwölf Uhr beschloss ich aufzubrechen, um nicht zu spät in Interlaken anzukommen. Bereits nach zwei Kilometern wurde ich von einem roten Schild begrüsst: «Teile des Wanderwegs rund um Brienz seien wegen Unwetterschäden gesperrt.» Super…, also blieb mir nichts anderes übrig, als für gut eine Stunde an einer viel befahrenen Kantonsstrasse zu laufen. Bei jedem vorbeifahrenden Auto schickte ich ein stilles Stossgebet in den Himmel. Eingepackt in meinen langen Regenschutz war ich zwar kaum zu übersehen, aber sicher fühlte es sich trotzdem nicht an. 

Das schlechte Wetter, die Umleitung und das stetige auf und ab zehrten an meinen Kräften. Ich schleppte mich vorwärts und war froh, als mir kurz vor Interlaken die ersten Touristen entgegenkamen. Das konnte nur bedeuten, dass das Ziel nahe war. 

Die Jugendherberge, in der ich eine Übernachtung reserviert hatte, war riesig und voll. Daher war es mir ehrlich gesagt zu unangenehm, als einziger meine frisch gewaschenen Kleider aufzuhängen, also liess ich das Waschen heute zum ersten Mal ausfallen. Zum Glück hatte ich noch Wechselkleidung dabei. 

Zum Abendessen kam ich heute so spät wie nie, nämlich erst um acht Uhr. Danach war ich froh, ins Bett fallen zu können. 

25.4.2025

Tag 15

Die Etappe von Interlaken bis Thun ist meinen Gönnerinnen und Gönnern gewidmet. 

Heute fühlte sich das Pilgern so an, als hätte ich die letzten zwei Wochen genau für diesen Tag trainiert. Die Etappe von Interlaken nach Thun brachte mich körperlich an meine Grenzen, was kein Wunder war, denn normalerweise wird diese Strecke auf zwei Tage verteilt. Jetzt weiss ich auch, warum. 

Trotz der Anstrengung war es eine wunderschöne Wanderung. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, und zum ersten Mal konnte ich im T-Shirt laufen, ein kleines Highlight für sich. In der Mitte der Strecke musste ich mir Wasser nachkaufen, da ich bereits alles getrunken hatte, was ich am Morgen mitgenommen hatte. Da wurde mir klar: Bei warmem Wetter reichen anderthalb Liter nicht aus. Trotzdem hoffte ich weiterhin auf Brunnen entlang des Weges, anstatt noch mehr Gewicht auf dem Rücken tragen zu müssen. 

In Thun angekommen, schmerzten meine Füsse vom Laufen und nach einer heissen Dusche im Bed and Breakfast legte ich mich sofort für eine Stunde hin, da ich zu müde für alles andere war. Zum Glück konnte ich dort auch meine Kleidung in der Waschmaschine reinigen, was mir einiges an Arbeit ersparte. Am Abend gönnte ich mir zusammen mit spontanem Besuch von meinem Grossvater noch ein feines Essen in einem Restaurant an der Aare und liess den Tag zufrieden, aber müde, ausklingen. 

26.4.2025

Tag 16

Der Erholungstag in Thun ist meinen Freundinnen und Freunden gewidmet. 

 

Mit dem heutigen Tag begann für mich die letzte Woche meiner Pilgerreise. Ich hatte bewusst einen Pausentag eingeplant und der war mehr als nötig. Erschöpft vom Vortag verbrachte ich den Morgen im Bett und schlief erst einmal richtig aus. 

Am Nachmittag bekam ich Besuch von zwei Freunden. Wir gingen gemeinsam etwas essen und spazierten durch die Stadt. Und dann geschah das Unfassbare: Beim Überqueren einer Brücke liess eine Taube ihre Hinterlassenschaft genau im falschen Moment fallen und traf ausgerechnet meine beiden Begleiter. Ich hingegen blieb, wie durch ein Wunder völlig verschont. Der Schreck war gross, der Ekel bei meinen Freunden noch grösser, und wir alle waren uns einig: Diese Erfahrung will niemand machen. 

Das Wetter blieb trocken, doch gegen fünf Uhr begann es wieder zu regnen. Pflotschnass verabschiedeten wir uns schliesslich, und ich kehrte zurück in mein Bed and Breakfast. Den restlichen Abend verbrachte ich mit der Arbeit an meiner Maturaarbeit. Ich ging früh schlafen in Vorbereitung auf die nächste, längere Etappe am kommenden Tag. 

27.4.2025

Tag 17

Die Etappe von Thun bis Wattenwil ist Pia Küng gewidmet. 

Am Morgen setzte ich mich an den Frühstückstisch und hatte dabei Gesellschaft von meiner Gastgeberin. Ich fand sie sehr sympathisch und wir führten ein angenehmes Gespräch rund ums Pilgern, seine Bedeutung und alles, was dazugehört. Zum Abschied gab sie mir noch eine kleine Wegzehrung mit und dadurch war mein Tag also schon gelungen, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. 

Die heutige Etappe führte mich von Thun nach Wattenwil. Beim Planen hatte ich beschlossen, an diesem Tag mehr als nur eine Etappe zu laufen. Ich hatte drei Etappen auf zwei Tage geplant. Anders als bei früheren Abschnitten ging dieser Plan richtig gut auf: Der Weg war weder zu lang noch zu kurz und gut zu bewältigen. 

Am späteren Vormittag führte mich die Route zunächst am Thunersee entlang, bevor es über grüne Wiesen mit grasenden Kühen nach Amsoldingen ging. Dort holte ich mir in der Kirche meinen Pilgerstempel und ass eine Kleinigkeit auf einer Bank. Danach konnte ich bei traumhaftem Wetter den weiteren Weg nach Wattenwil geniessen. 

Besonders schön war, dass ich heute eine Begleitung hatte. Endlich wieder ein längeres Gespräch führen zu können, tat unglaublich gut und es erinnerte mich daran, wie wertvoll Begegnungen auf dem Weg sein können. Gemeinsam liessen wir den Tag mit einer Pizza in Wattenwil ausklingen, bevor wir uns verabschiedeten. 

Ich machte mich anschliessend auf den Weg zu meiner Unterkunft und lernte dabei eine wichtige Lektion: Immer im Voraus prüfen, wo genau die Unterkunft liegt. Google Maps verriet mir nämlich, dass das Ziel rund 400 Höhenmeter weiter oben in einem abgelegenen Weiler lag. Also kämpfte ich mich, bereits müde, die letzten Kilometer noch den Berg hinauf. 

Das Zimmer auf dem Bauernhof war dafür ein echtes Highlight. Die Gastgeber waren sehr herzlich, und so konnte ich den Tag zufrieden und glücklich abschliessen. Ein rundum gelungener Pilgertag. 

28.4.2025 

Tag 18

Die Etappe von Wattenwil bis
schwarzenburg ist meinen Interviewpartnerinnnen und -Partner gewidmet

Mit einem guten Frühstück auf dem Bauernhof startete ich in den Tag. Das Wetter, das in den letzten Tagen zunehmend besser geworden war, war auch heute super. Ohne Eile und ganz im Pilgertempo machte ich mich auf den Weg. 

Der heutige Abschnitt führte mich an mehreren Stempelstationen vorbei. Bei einer davon passierte mir allerdings ein kleines Missgeschick: Ich stempelte den Pilgerpass versehentlich auf dem Kopf. Etwas peinlich, aber nicht weiter schlimm. Ich stempelte noch einmal auf ein Blatt und würde dieses daheim zurechtschneiden und sauber einkleben, wie in einem Paninibuch. 

Am Nachmittag traf ich auf eine junge Pilgerin aus Deutschland. Wir legten gemeinsam eine Pause ein und liefen den restlichen Weg zusammen. Sie erzählte spannende Geschichten und wir führten ein intensives und bereicherndes Gespräch. Ich hatte oft das Gefühl, dass man beim Pilgern offener miteinander spricht. Viele erzählten etwas über ihr Leben, ihre Gründe für den Weg und auch über ihre Hoffnungen. Mir fiel auf, dass diese Gespräche oft positiver waren als normale Gespräche im Alltag. Ich weiss nicht genau, woran das liegt. Vielleicht hat es mit der Ruhe, der Aufmerksamkeit oder dem gemeinsamen Gehen zu tun 

Wir stellten fest, dass wir uns vermutlich in Fribourg wiedersehen würden, denn dort hatten wir beide eine Übernachtung im Kloster gebucht. Ich freute mich jetzt schon auf die Fortsetzung unserer Gespräche und war gespannt, wohin sie uns führen würden. 

29.4.2025 

Tag 19

Die Etappe von Schwarzenburg bis Fribourg.

Von Schwarzenburg aus ging es für mich weiter nach Fribourg, eine Stadt, die ich bisher noch nie besucht hatte. Ich war gespannt, ob sie mir gefallen würde. Kaum war ich am Morgen losgelaufen, bemerkte ich, dass mir ein älterer Herr folgte. Er sprach mich bald an und fragte, ob ich auf dem Jakobsweg unterwegs sei. Ich bejahte, und so kamen wir ins Gespräch. Solche Begegnungen hatte ich auf dem Weg schon einige, aber dieser Mann hatte besonders viel zu erzählen und es war ein spannender Austausch. Schliesslich verabschiedeten wir uns, er ging nach Hause und ich pilgerte weiter. 
Nur wenige Minuten später hörte ich ein Fahrrad hinter mir. Ich machte Platz und staunte nicht schlecht: Es war derselbe Mann. Er war noch einmal losgefahren, weil er zu Hause eine Jakobsmuschel gefunden hatte und mir diese schenken wollte, als Glücksbringer für meinen Weg. Da ich selbst noch keine am Rucksack trug, war ich gerührt und beeindruckt von diesem Geschenk. Solche Begegnungen bleiben. 
Am Nachmittag traf ich dann mehrfach ein und denselben Wanderer und beim dritten Mal fragte ich ihn, ob wir ein Stück gemeinsam gehen wollen. Er war einverstanden, und sofort hatten wir ein gutes Gespräch. Die etwas längere Etappe verging dadurch wie im Flug, und schon bald checkte ich im Kloster in Fribourg ein. 
Dort traf ich auf eine kleine Gruppe anderer Pilgerinnen und Pilger, unter ihnen auch eine Frau, die ich bereits unterwegs kennengelernt hatte. Gemeinsam entdeckten wir in einer Kirche eine Einladung zu einem monatlichen Pilgermeeting und beschlossen, am Abend daran teilzunehmen. Wir gingen davon aus, dort auf andere Menschen zu treffen, die gerade ebenfalls unterwegs waren, doch es kam anders. Stattdessen fanden wir uns in einem Austausch, in der (natürlich auf Französisch) über organisatorische Fragen, Probleme und Aktivitäten rund um den Jakobsweg gesprochen wurde. Das war zwar anders als erwartet, aber spannend und es zeigte uns, wie gross das Interesse am Pilgern in der Region ist. 
Nach etwa 45 Minuten verabschiedeten wir uns von der Gruppe und gingen zusammen essen. Für mich war das toll, denn manchmal fiel es mir schwer, allein zu essen. Einsamkeit war ein Gefühl, das sich auf dem Weg immer wieder meldete und während sie für kurze Zeit gut auszuhalten war, konnte sie auch sehr belastend sein, wenn sie zum ständigen Begleiter wurde. Umso mehr schätzte ich diesen gemeinsamen Abend. Die Stadt fand ich im Übrigen sehr schön. Besonders die Altstadt hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

30.4.2025

Tag 20

Die Etappe von Fribourg bis Romont 

Heute stand die längste und herausforderndste Etappe meiner Pilgerreise an. Ursprünglich wollte ich gemeinsam mit der Pilgerin losziehen, mit der ich am Vortag das Meeting besucht hatte. Doch sie bekam kurzfristig die Gelegenheit, ihre Brille reparieren zu lassen, was bedeutete, dass sie mindestens eine Stunde warten musste. Leider konnte ich mir diese Wartezeit nicht leisten. Also verabschiedeten wir uns und ich machte mich allein auf den Weg. 

Das Wetter war sonnig und angenehm warm, sodass ich im T-Shirt laufen konnte. Seit dem Vortag trug ich wieder meine Turnschuhe, da der Weg überwiegend über Felder und Strassen führte und diese dafür deutlich besser geeignet waren. Meinen Füssen ging es nach den anfänglichen Schwierigkeiten wieder viel besser und ich konnte schmerzlos gehen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dass ich das Schuhwerk gewechselt hatte. Gut gelaunt legte ich die 30 Kilometer zurück, machte nur Pausen für Fotos und zum Essen. Wie so oft hatte ich mir am Morgen ein einfaches Mittagessen mitgenommen und genoss es unterwegs auf einer Bank mit Aussicht. 

Am späten Nachmittag erreichte ich Romont. Beim Einchecken ins Bed and Breakfast stellte sich heraus, dass mein Zimmer versehentlich doppelt vergeben worden war. Die Gastgeber reagierten sehr freundlich und boten mir an, im Zimmer ihrer Tochter zu übernachten. Eine Lösung, die ich müde und erschöpft gerne annahm, auch wenn es sich im ersten Moment ein wenig ungewohnt anfühlte, als Junge in einem Mädchenzimmer zu schlafen. 

Bevor ich ins Bett fiel, machte ich noch einen kleinen Spaziergang durch Romont. Die Stadt war hübsch, mit mittelalterlichem Charme, wenn auch eher klein. Danach freute ich mich einfach nur noch auf mein Bett und die wohlverdiente Ruhe. 

1.5.2025

Tag 21

Die Etappe von Romont bis Moudon 

Heute stand eine eher entspannte Etappe auf dem Programm. Da mir die Übernachtung im Zimmer des Mädchens etwas unangenehm war, verliess ich das Bed and Breakfast bereits früh am Morgen. Auf dem Weg besorgte ich mir mein Mittagessen und setzte meine Pilgerreise in Richtung Moudon fort. Die Landschaft war wunderschön. Es gab viele grosse Rapsfelder und in der Ferne konnte man die Walliser Alpen sehen. 

Gegen zehn Uhr machte ich eine Pause auf einem Stein. Ich blieb dort ganze drei Stunden, schrieb Briefe, arbeitete an meiner Maturaarbeit und genoss bewusst den zweitletzten Tag meiner Reise. Danach ging es weiter. Ich stempelte fleissig in den kleinen Kapellen entlang des Weges und kam am Nachmittag in Moudon an. 

Obwohl es eine kurze Etappe war, empfand ich sie als anstrengend vor allem wegen der grossen Hitze. Der Rucksack fühlte sich deutlich schwerer an, und in den Schuhen wurden die Füsse richtig heiss. 

Am Abend traf ich mich mit meiner Pilgerkollegin. Gemeinsam erkundeten wir die Ortschaft, assen etwas und tauschten Geschichten aus unserem Leben aus. Immer wieder merkte ich, dass solche Begegnungen für mich einer der wertvollsten Aspekte des Pilgerns waren. Sie gaben der Reise eine zusätzliche Tiefe, was ich bereichernd fand. 

Zurück in der Unterkunft wollte ich früh schlafen gehen, doch ein paar Jugendliche vor dem Haus hatten andere Pläne. Sie machten bis ein Uhr nachts Lärm, und so war klar, dass ich den letzten Tag meiner Reise mit wenig Schlaf beginnen würde. 

2.5.2025

Tag 22

Die Etappe von Moudon bis Lausanne 

Heute brach der letzte Tag meiner Reise an. Ich startete um neun Uhr, besorgte mir unterwegs noch meine Verpflegung und traf mich, wie abgemacht, mit der Pilgerin, um den Morgen gemeinsam zu gehen. Es tat richtig gut, den Abschluss nicht allein zu verbringen. Wir sprachen über die Erfahrungen der letzten Wochen und kamen schnell auf gemeinsame Nenner: Die wichtigste Erkenntnis war für uns beide die bewusste Auseinandersetzung mit uns selbst und die vielen besonderen Begegnungen mit den Menschen auf dem Weg. 

Am schwersten fiel mir das Verabschieden. Mir wurde bewusst, dass ich mich generell schwertue, Abschied zu nehmen. Trotzdem glaube ich, dass wir uns nicht zum letzten Mal gesehen haben. 

Nach der Verabschiedung setzte ich meinen Weg fort mit dem Plan, den späten Nachmittag noch etwas in Lausanne zu geniessen. Doch daraus wurde leider nichts: Entgegen der Wetterprognose, die 20 Grad und Sonne versprochen hatte, fing es an zu regnen. Ich hatte die falschen Schuhe an und musste beim Gehen gut aufpassen, um nicht auszurutschen. 

Unterwegs traf ich noch einen weiteren Pilger. Wir kamen schnell ins Gespräch, und die restliche Strecke verging sehr schnell. Vielleicht sogar etwas zu schnell, denn in einem unachtsamen Moment rutschte ich aus und landete mitten im Schlamm. Immerhin wusste ich, dass ich die Kleidung nicht mehr selbst waschen musste. Spass gemacht hat es trotzdem nicht, vor allem mit Blick auf die dreistündige Zugfahrt, die mir noch bevorstand. 

In Lausanne angekommen, freute ich mich sehr auf den letzten Stempel in der Kathedrale. Als Abschluss stieg ich mit meinem Rucksack aufs Kirchendach, um ein letztes, stimmungsvolles Foto zu machen. Danach stieg ich in den Zug und fuhr müde, aber zufrieden, nach Hause. Im Gepäck nicht nur einen vollen Pilgerpass, sondern auch viele unvergessliche Erinnerungen. 

Zum Schluss lief ich dann noch von Laufen nach Röschenz, da ich keine Post hatte. 

3.5.2025